Pressestimmen
DVD "Die Meistersinger von Nürnberg"
Man hat als Zuschauer tatsächlich das Gefühl , dass man einen theatralischen Vorgang auf völlig neue Weise komplex erlebt. Michael Dillmann, der Produzent der DVD, erklärt: "Das ist völlig natürlich so, weil wir mit sieben Kameras gearbeitet haben. Das heißt, wir haben zu jedem Vorgang sieben Bilder zur Auswahl. Der Mensch hat aber nur ein Augenpaar, das er auf einen Vorgang fokussieren kann. Man hat also eine viel größere Auswahl und kann als Bildregisseur entscheiden, welches von den sieben Bildern das interessanteste ist." Diese DVD setzt Maßstäbe. Am wichtigsten für den Gesamteindruck bleibt jedoch das farbige, die Widersprüche einbeziehende Spiel der Protagonisten, auf das auch im beigefügten Bonusmaterial verwiesen wird - zum Beispiel von Michael Volle, bei dem die Figur des Beckmesser eine interessante Aufwertung erhält. "Es ist schon gut, wenn es zwei gleichwertige Konkurrenten gibt - in der Kunst und beim Werben um die Frau. Das Interessante ist, dass dieser Beckmesser eine große Entwicklung durchmacht." Keine Frage, diese Novität rangiert in der Spitzengruppe des neuen Genres "Operngesamtaufnahmen auf DVD". Mehr noch: Sie setzt Maßstäbe für Künftiges. [NDR Kultur]Angesagte Revolutionen finden mitunter doch statt. Wolfgang Wagners Tochter Katharina hat bei den Bayreuther Festspielen, deren Chefin sie mittlerweile ist, jenes Werk regietheatralisch umgekrempelt, das die tragende Säule der Tradition war: "Die Meistersinger". Eine andere Frage ist allerdings, ob diese Umsetzung nicht nur revolutionär, sondern auch gut ist. [...] Das soll den Blick darauf nicht verstellen, wie wichtig diese DVD ist. Zum ersten Mal liegt ein Live-Mitschnitt einer noch in Bayreuth auf dem Spielplan stehenden Inszenierung vor. Das riecht nicht nur nach gutem Marketing, sondern auch nach gezielter Diskussionsanregung. In welche die entschlackte musikalische Interpretation durch den Dirigenten Sebastian Weigle und das präzise, aber nicht im herkömmlichen Sinn wagnerisch singende Ensemble miteinbezogen werden kann. Ein absolutes Muss für jeden, der sich für aktuelle Trends im Musiktheater interessiert! [Wiener Zeitung]
Gastspielreise Abu Dhabi
Die Musik muß die Stimmung erzeugen, denn der überreiche Goldschmuck läßt nicht an Hundings dunkle Hütte denken. Petra Lang und Endrik Wottrich singen das sich liebende Geschwisterpaar Sieglinde und Siegmund – allerdings im Abendkleid und Smoking. Der junge Ain Anger den Hunding – im kommenden Jahr wird er in Bayreuth ein stimmgewaltiger Fafner sein. Nach der Pause folgen Siegfrieds Rheinfahrt, der Trauermarsch und Brünnhildes Schlußgesang, voller Emphase gesungen von Luana DeVol.Das Publikum ist begeistert. Brücken wolle man bauen, wird immer wieder von offizieller Seite betont. [...] Aber es ist noch ein weiter Weg, bis die Brücke wirklich tragfähig ist – in beide Richtungen, denn im Auditorium des „Emirates Palaces“ sitzen überwiegend „Experts“ – ausländische Fachleute, die man aus aller Welt an den Golf geholt hat. Männer in den weißen, bodenlangen Dischdaschs und Frauen in den schwarzen Abayas sind die Ausnahme.Trotzdem spielt das Orchester nicht so, als sei es bei einem lustigen Betriebsausflug, sondern als sei es ein regulärer Premierenabend in Bayreuth. [Deutschlandfunk]Was die Bayreuther unter Thielemann leisteten in diesem reich vergoldeten Saal mit guter Akustik für 1159 Besucher, das darf exorbitant genannt werden. Ein strukturierter und doch wollüstiger Grundklang, gnadenlos stringent durchgezogene Steigerungen, eine konzentrierte Attacke auf Geist, Nerven und Rückenhaut - besser kann man Wagner nicht spielen. Die Solisten [...] trugen das Ihre bei. Wer das Glück hat, eine solche Sternstunde zu erleben, muss Wagner-Fan werden - zumal dann, wenn er es vorher nicht war. Stärkere musikalische Botschafter aus dem Westen hätte man sich in Abu Dhabi nicht vorstellen können. Vielleicht erhöht dieses Erlebnis ja die Mitgliederzahl des Wagner-Vereins, den es dort seit Kurzem gibt. [Kölner Stadtanzeiger]
Siemens Festspielnacht
Auf dem geteerten Festplatz hingegen gab es Wagner auf einer neun mal zehn Meter großen Videoleinwand umsonst und draußen. Die Götter schienen gnädig gestimmt, denn der Himmel wirkt wie frisch geputzt, die Sonne brannte, zeitweise herrschten Temperaturen von über 30 Grad. Der eine oder andere der 1974 Festspielhaus-Besucher, der Unsummen für eine knapp sechsstündige Sitzung auf kargen Holzstühlen berappt hatte, dürfte da auf dem Weg zum Grünen Hügel sehnsüchtig gen Videoleinwand geblickt haben. Die Menschenmasse vor der Leinwand ist in zwei Lager unterteilt: Es gibt die Mitte, direkt vor der Leinwand bis zum Ende des Platzes; hier ist man ganz Fan. Die Menschen sitzen auf mitgebrachten Klappstühlen, sehen und hören gebannt zu. Der zweite Teil der Menge bildet den äußeren Ring, der von zahlreichen Gastronomieständen begrenzt wird. Hier wird gegessen, gesonnt und gelacht. Rockkonzert-Atmosphäre in Bayreuth. [...] "Die Akustik ist wider Erwarten gut", sagt Marianne Sack. "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, herzukommen." [Der Spiegel]125 Jahre nach Richard Wagners Tod ist sein Traum von Festspielen zum Nulltarif endlich in Erfüllung gegangen. Mehr als 15.000 Menschen verfolgten gestern in Bayreuth die erste Live-Übertragung aus dem Festspielhaus – Die Meistersinger von
Nürnberg in der Inszenierung von Wagners Urenkelin Katharina. «Wagner wollte, dass jeder seine Kunst sieht», sagte sie zu dieser besonderen Premiere. Schon Stunden vor Beginn strömten Alt und Jung gerüstet mit Klappstühlen, Decken, Strandmatten und Picknickkoffern auf den Volksfestplatz, um sich die besten Plätze vor der 90 Quadratmeter großen LED-Leinwand zu sichern. Bei mehr als 30 Grad lauschten die Menschen in sengender Sonne der Musik. Die erfahrenen Tontechniker aus Salzburg hatten die Vorgabe erfüllt, ein Wohnzimmergefühl auf dem riesigen Platz zu vermitteln.«Endlich kann man es sich bei Wagner gemütlich machen», beschrieb der Moderator Axel Brüggemann die neue Dimension, Wagner «draußen und umsonst» zu erleben, wie es der Nordbayerische Kurier formulierte. Den Veranstaltern ist es gelungen, auch junge Leute und Nichtwagnerianer für die Musik Wagners und für einen Opernbesuch zu begeistern. [Die Zeit]
‚Wagner für alle’ lautet das Motto der Siemens-Festspielnacht, wie der Sponsor das Ereignis nennt. Tatsächlich wird alles getan, damit sich das Festspiel-Feeling auch hier ausbreitet. Sogar an Blechbläser, die den neuen Akt mit ihren Fanfaren ankündigen, hat man gedacht. Der Mehrwert für das große Publikum hier unten: In der Pause zeigen die Kameras den Bühnenumbau, und ein Conférencier erläutert die Handlung. Und dann sind Hans Sachs, Beckmesser und Eva in Großaufnahme zu sehen. Ebenfalls eine Perspektive, die den Besuchern im Festspielhaus entgeht. [HNA Online]
Mit einem solchen Ansturm hatten wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten gerechnet: 38.000 Menschen haben sich am Sonntag vom Public Viewing auf dem Volksfestplatz verzaubern lassen - ein gigantischer Erfolg. Karl-Gerhard Schmidt von der mächtigen Mäzenaten-Vereinigung „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“, die die offiziellen Festspiele mitfinanziert, ist nicht minder begeistert: „Eine prima Sache. Und eine sehr gescheite Bildregie“, freut sich Schmidt – und lobt den festlichen Charakter: Wagner für alle - „daran hätte Richard Wagner seine Freude gehabt“. Vor allem, wenn dieser Wagner so technisch brillant beim Volk ankommt. Sieben Kameras, die von der Unterbühne aus ferngesteuert werden, zeichnen die Bilder auf. Sie werden am Festspielhaus gemischt, bevor sie auf der 90-Quadratmeter Videowand (Kosten: 800.000 Euro) ankommen. Gestochen scharf, nur anfänglich etwas dunkel. Aber auch das kriegen die Techniker hin. Der Sound kommt glasklar aus den Lautsprechern. Dafür ist Adolf „Tucherl“ Toegel aus Wien zuständig. Er ist Professor für Beschallungstechnik an der Musikhochschule Wien. [Nordbayerischer Kurier]
